Wer mitten im Industriegebiet Hamburg-Moorfleet nach einem idyllischen Ort sucht, sollte einmal in die Sandwisch einbiegen. Schon eröffnet sich dem Besucher ein dörflicher Eindruck schönster Art. In Moorfleet gibt es die kleine und dabei sehr lebendige Gemeinde der St. Nikolai-Kirche. Wir feiern die Feste, wie sie fallen und freuen uns an der Gemeinschaft miteinander.
Die St. Nikolai-Kirche ist inzwischen zu einem Raum geworden, wo sich gerne junge Paare trauen lassen, wo Familien zusammen mit der Kirchengemeinde schöne Taufen der Kinder feiern und wo die Menschen hier vor Ort einander zeigen, dass sie in Freude und Leid zusammenhalten.
Auch verfügt unsere Kirche über eine ausgezeichnete Akustik, die den Musikern und Chören, die bei uns zu Gast sind, beste Möglichkeiten für wunderbare Konzerte bietet.
Schauen Sie auf unserer Seite selbst, wie die Menschen der Kirchengemeinde hier ihr Leben gestalten.
Konzert-Termine, Veranstaltungen und Gottesdienste finden Sie ebenfalls hier. Die beste Wahl ist es natürlich immer, wenn Sie uns einmal persönlich besuchen kommen...
Wissenswertes
Geschichte
Die St. Nikolaikirche in Hamburg-Moorfleet wird zum ersten Mal im Jahr 1331 erwähnt. Ein Dokument erzählt von der Verpfändung von Einkünften zur Wiederbeschaffung von Glocken für die Glockentürme (campanilia) der Kirchen in Allermöhe, Billwerder und Moorfleet (Vrenflete). Über das Aussehen der mittelalterlichen Kirche wissen wir nichts. Jedenfalls wurde sie im Jahre 1578 erweitert. 1599 wurden Turm und Giebel “niedergebrochen“ und ein neuer Glockenturm errichtet. Hein Baxmann schnitzte 1616 einen Altar, 1621-22 die Kanzel und das Pastoren- und Küstergestühl, 1625 eine Taufe mit Deckel und das Juratengestühl. Im Jahr 1680 wurde um die alte Kirche eine neue errichtet.
Grundsteinlegung war der 3. August 1680, Kirchweih am 10. Dezember 1680. Eine Orgel wurde 1683 gebaut. Den Prospekt schnitzte 1684 Jürgen Riege. Valentin Preuß schuf 1688 einen neuen Altar und 1689 eine Taufe mit Deckel. Die Nordempore wurde 1705 erbaut. Martin Conrad malte 1720 sechzehn Emporenbilder. Infolge eines Deichbruchs wurden 1771 größere Reparaturen erforderlich. Eine umfassende Renovierung fand 1843 statt. Bei dieser Gelegenheit wurde die Kanzel in den Altar verlegt. Die alte Empore wurde verschmälert und die Südempore zu gleicher Länge geführt. Von nun an trugen eiserne Säulen die Emporen. Kunstwerke wurden zur Finanzierung veräußert, Kanzel, Altar und Gemälde 1846 renoviert. Eine neue Orgel wurde 1853-1856 gebaut. 1866 wurden die Fenster erneuert. An Stelle des alten Holzturmes trat 1885 der neugotische Turm und 1903 wurde die Kirche baulich instand gesetzt. Hierbei fanden Nachschnitzereien an Altar Kanzel und Taufe statt. Umfassende bauliche Erneuerung und die komplette Restaurierung des Kircheninneren schufen die heutige Gestalt der Kirche in den Jahren 1962-1974. Abschließend erfolgte die Turmsanierung im Jahr 1984.
Gründer der Alsterdorfer Anstalten und Pastor zu St. Nikolai Moorfleet von 1846-1852. Bericht über sein Leben und Wirken im 19. Jahrhundert.
Sengelmann wurde am 25.Mai 1821 als einziger Sohn des aus Stapelfeld nach Hamburg zugewanderten Jochen-Heinrich Sengelmann geboren. Der Vater war Gastwirt und Viehhändler am Schweinemarkt, der auf der Stadtseite hinter den Wallanlagen des Steintores lag. In zweiter Ehe war er mit Margarethe-Dorothea Freund aus dem Kirchdorf Hamm verheiratet. Er erarbeitet sich einen gewissen Wohlstand und Matthias verlebte eine unbeschwerte Kindheit.
Geprägt durch die Frömmigkeit seiner Mutter und den Besuch der Sonntagsschule bei Pastor Rautenberg in St. Georg wurde ihm schon früh das Evangelium nahe gebracht. Er war noch keine fünf Jahre alt, als er eingeschult wurde. Mit neun kam er auf die Gelehrtenschule des Johanneums. Er lernte unter anderem orientalische Sprachen. Aber er war auch kein Stubenhocker, denn er machte ausgedehnte Wanderungen durch Holstein und Mecklenburg. Glückliche Zeiten verbrachte er immer wieder auf einem vom Vater gekauften Bauernhof in Harksheide. „Dort lernet ich, in der Einsamkeit glücklich zu sein, was mir im späteren Leben oft recht gut zu statten gekommen ist.“
Ostern 1840 verließ Sengelmann das Johanneum. Gleich anschließend reiste er zur Universität Leipzig. Von den Eltern gut versorgt, reiste er in der ersten Kajüte des Magdeburger Dampfschiffes und genoss die damals tagelange Reise. In Leipzig studierte er Theologie und orientalische Sprachen. Danach wechselte er zur Universität nach Halle und hier fiel endgültig die Entscheidung für die Theologie, denn er lernte seinen akademischen Lehrer Friedrich Tholuck kennen. Tholuck war einer der bedeutendsten Männer der damaligen Erweckungsbewegung. So wurde die unter dem Vorbild der Mutter und dem Einfluss Pastor Rautenbergs angelegte innere Linie in Sengelmann folgerichtig fortgeführt, die ihn sein Leben lang bestimmt und getragen hat. Diesem Lehrer und späteren Freund hatte er es wohl zu verdanken, dass er geistlich gereift und gefestigt seine Studienzeit beenden konnte.
Ostern 1843 beendete er als 22-Jähriger nach insgesamt nur sechs Semestern sein Studium und brachte gleich die Würde eines Doktors der Philosophie mit heim. Noch im gleichen Jahr bestand er das theologische Examen vor dem Kollegium der Hamburger Hauptpastoren. In den folgenden Jahren gab er an Schulen Religionsunterricht und Privatunterricht in angesehenen Häusern. Vor allem aber predigte er bei Vertretungen in den einzelnen Gemeinden. Sengelmann besaß offenbar schon früh nach Inhalt und Form eine besondere Predigtgabe.
„Ohne mich zu rühmen, durfte ich mich wohl für einen der fleißigsten Prädikanten halten, denn selten verging ein Sonntag, an dem ich nicht zu predigen hatte. So war es dann auch gekommen, dass manche Kandidaten sich im Laufe der Zeit eine eigene Predigtgemeinde gesammelt hatten. Ich war so glücklich, dass auch ich im Laufe der Zeit eine solche mir sammelte, die mir treu blieb, zu welcher Kanzel ich auch ging.“
Von der City Nord an den Alsterdorfer Anstalten vorbei führt die Sengelmannstraße. Viele Hamburger können mit dem Namen nichts anfangen. Ich hoffe, dass ich Ihnen die Person etwas näher bringen konnte.
Text: Horst Wilmer
Im Jahre 1846 erhielt der 25-jährige Dr. Heinrich Matthias Sengelmann die Moorfleeter Pastorenstelle. Um die Kinder der ärmeren Landbevölkerung vor der Verwahrlosung zu schützen, eröffnete er am 16. April 1850 im Pastorat eine "christliche Arbeitsschule", in der sie viele Fertigkeiten erlernen konnten. Da die Zahl der Kinder ständig zunahm, wurde diese Betreuungsarbeit ab 1851 im Geburtshaus von Pastor Rautenberg als Stift weitergeführt. Im Dezember 1852 wurde Sengelmann an die Michaeliskirche berufen. Die sogenannte Arbeitsschule verblieb zunächst in Moorfleet, bis sie 1860 nach Alsterdorf übersiedelte. Im Jahr 1899 verstarb Heinrich Matthias Sengelmann. Beigesetzt wurde er auf dem Familiengrab in Moorfleet, das seit jener Zeit von den Alsterdorfer Anstalten betreut wird.