Dreieinigkeitskirche Allermöhe-Reitbrook

Geschichte

Baugeschichte und Architektur

Die Dreieinigkeitskirche in Hamburg-Allermöhe geht auf eine erste urkundlich erwähnte Kirche aus dem Jahr 1331 zurück, von der heute nur noch der hölzerne Glockenturm erhalten ist – er gilt mit seinen Teilen aus der Zeit vor 1580 als das älteste Bauwerk der Marschlande.

Der heutige einschiffige Backsteinbau wurde zwischen 1611 und 1614 nach Plänen des Architekten Simon Lange errichtet und am 2. Februar 1614 geweiht. Sein Fachwerksaal mit hölzerner Tonnendecke und fünfseitigem Chorabschluss entspricht einem typischen Kirchenbautyp der Vier- und Marschlande. Im 18. Jahrhundert erfuhr das Gebäude geringfügige bauliche Veränderungen, darunter 1750 der Neubau der Südwand mit einem markanten Kastengesims.

Um 1900/1901 wurde die Kirche unter Leitung von Hugo Groothoff umfassend instand gesetzt, nachdem ein Brand im Pastorat fast die gesamte ausgelagerte Innenausstattung zerstört hatte. Dabei verzichtete die Gemeinde auf einen Neubau und entschied sich für eine Sanierung, die auch eine grundlegende Umgestaltung des Innenraums mit sich brachte.

Innenraum und Ausstattung

Durch den Brand 1900/01 ging ein Großteil der ursprünglichen Ausstattung verloren, deren Wiederherstellung sich bis in die späten 1950er-Jahre zog. Das einzige vollständig erhaltene Stück der ursprünglichen Einrichtung ist der Flügelaltar von Hein Baxmann aus den Jahren 1613/1614, der im Zentrum eine Kreuzigungsszene zeigt, umrahmt von alttestamentlichen und neutestamentlichen Szenen sowie einer Darstellung des Jüngsten Gerichts. Seit 1640 ergänzt eine plastische Christusfigur den Altar, der reich mit Ornamenten, Wappenschilden und Figuren von Moses und Johannes dem Täufer verziert ist. Die farbige Fassung wurde bei einer Restaurierung in den 1950er-Jahren nach historischer Technik erneuert.

Die heutige Kanzel und das Gestühl sind Neubauten, die sich jedoch an den verbrannten Originalen orientieren und zum Teil wiederverwendete Elemente enthalten.

Aus früheren Zeiten sind außerdem verschiedene liturgische Geräte, Silberleuchter, eine Bibel von 1700 sowie Gemälde, darunter Arbeiten von Enoch Krull (1725), erhalten. In den Jahren 1929, 1953 und 1957 wurden Innenraum und Emporenbilder neu gestaltet, wobei insbesondere die Malereien der 1950er-Jahre einen ungewöhnlichen Bezug zur modernen Zeit und zum Ort Allermöhe zeigen.

Orgel

In der Dreieinigkeitskirche befindet sich heute das dritte Orgelinstrument an diesem Ort. Zwar zeugt eine Inschrift von einer ersten Orgel aus dem Jahr 1637, gebaut von Gottfried Fritzsche, doch ist über ihre Disposition kaum etwas bekannt. Dieses erste Werk wurde im Zuge einer Renovierung um 1900 aus dem Kirchenraum ausgelagert und anschließend bei einem Brand im Pastorat zerstört.

Am 5. August 1906 erhielt die Kirche eine neue Orgel des Hamburger Orgelbauers Paul Rother mit 18 Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal; der Prospekt wurde 1957 von Fred Ther umgestaltet.

Da diese Orgel nach mehr als sechs Jahrzehnten unspielbar wurde, baute man 1972 in das bestehende Gehäuse eine neue Orgel ein: eine zweimanualige mechanische Schleifladenorgel mit 18 Registern und insgesamt 1 378 Pfeifen, die Hauptwerk, Oberwerk und selbständiges Pedal besitzt.

Glocken

Im freistehenden hölzernen Glockenturm der Dreieinigkeitskirche hängt ein historisches Geläut, dessen älteste Glocke – die „Osanna“ – im Jahr 1483 von dem Lüneburger Gießer Cort von der Heyde aus Bronze gefertigt wurde. Sie wiegt etwa 650 kg, trägt den Schlagton b¹–5 und ist mit einer Marien-, Christus- und Petrusdarstellung sowie einer spätmittelalterlichen Inschrift versehen.

Die größte Glocke des Geläuts wurde 1735 von der Hamburger Gießerei Johann Andreas Bieber aus einer älteren, gesprungenen Glocke neu gegossen. Mit einem Durchmesser von 1320 mm und einem Gewicht von rund 1650 kg hat sie den Schlagton e¹–2. Sie überstand trotz geplanter Einschmelzung im Ersten Weltkrieg und einer späteren Reparatur den Transport und wurde nach ihrer Restaurierung 1994 wieder in den Turm gehängt.

Ebenfalls 1994 erhielt die Kirche eine neue Glocke als Neuguss der Glockengießerei Bachert: Sie heißt „Shalom“, trägt auf der Flanke den hebräischen Namen und die Inschrift „Friede, Friede, denen in der Ferne und denen in der Nähe“ (Jes 57,19). Diese Bronze-Glocke hat einen Durchmesser von 1135 mm, ein Gewicht von 1064 kg und den Schlagton fis¹–4.

Bis zu ihrer Ablösung standen vor dem Denkmal der Gefallenen des Ersten Weltkriegs zwei große Eisenglocken, die zuvor als Ersatz gegolten hatten.